Neufassung – TRGS 721 – Gefährliche explosionsfähige Gemische – Beurteilung der Explosionsgefährdung – 11/2020

Am 3.10.2020 ist die neue TRGS 721 – Gefährliche explosionsfähige Gemische – Beurteilung der Explosionsgefährdung in Kraft getreten. Mit den Änderungen in der Neufassung wird der Anwendungsbereich erweitert und der Inhalt und die Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung überarbeitet.

Neuer Anwendungsbereich

Die TRGS 721 regelt jetzt auch die Gefährdungen für explosionsfähige Gemische unter nicht-atmosphärischen Bedingungen – zusätzlich zu der Gefährdung für explosionsfähige Atmosphären.

Begriffserklärungen:

Explosionsfähige Gemische: Gemische sind der Überbegriff, darunter fallen auch explosionsfähige Atmosphären. Gemische bestehen aus brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder aufgewirbelten Stäuben und Luft oder einem anderen Oxidationsmittel, das nach Wirksamwerden einer Zündquelle in einer sich selbsttätig fortpflanzenden Flammenausbreitung reagiert, sodass im Allgemeinen ein sprunghafter Temperatur- und Druckanstieg hervorgerufen wird. (Definition aus TRGS 720)

Explosionsfähige Atmosphäre ist ein explosionsfähiges Gemisch aus Luft und brennbaren Gasen, Dämpfen, Nebeln oder Stäuben unter atmosphärischen Bedingungen (Umgebungstemperatur von -20 °C bis 60 °C und Druck von 0,8 bar bis 1,1 bar). (Definition aus TRGS 720)

Erweitert wurde der Anwendungsbereich auch auf Verbrennungsreaktionen chemisch instabiler Gase, nicht aber für deren Zerfallsreaktionen. Ausgenommen aus dem Anwendungsbereich sind Reaktionen energiereicher Stoffe oder Gemische in der kondensierten Phase im Sinne der TRGS 400.

Neue Gefährdungsbeurteilung

Gefährdungsbeurteilung für Explosionsgefährdung bei nicht-atmosphärischen Bedingungen

Arbeitgebende sollen und können nach der TRGS 721 jetzt auch die Explosionsgefährdung für nicht-atmosphärische Bedingungen beurteilen. Im Anhang der TRGS finden sie jetzt Tabellen zum Einfluss nicht-atmosphärischer Bedingungen auf die sicherheitstechnischen Kenngrößen. Folgende Prozessparameter sind Einflüsse nicht-atmosphärischer Bedingungen:

  • Druck
  • Temperatur
  • Sauerstoffvolumenanteil im Inertgas+O2-Gemisch

Die TRGS verweist zudem auch innerhalb der Gefährdungsbeurteilung auf die Unterschiede zwischen nicht-atmosphärischen und atmosphärischen Bedingungen.

Beispielsweise treten explosionsfähige Gemische unter nicht-atmosphärischen Bedingungen in der Regel nur im Inneren von Arbeitsmitteln oder Anlagen auf. Explosionsfähige Atmosphäre kann hingegen im Inneren und in der Umgebung der zu beurteilenden Arbeitsmittel oder Anlagen vorkommen.

Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung angepasst an TRGS 720

Die TRGS 721 verweist jetzt für die grundsätzliche Vorgehensweise der Gefährdungsbeurteilung auf die TRGS 720 – Gefährliche explosionsfähige Gemische – Allgemeines. In der TRGS 720 finden sich – neben einer schriftlichen Erklärung – auch Flowcharts. Diese unterstützen die Arbeitgebenden dabei, die Explosionsgefährdung für atmosphärische Bedingungen und für explosionsfähige Gemische unter nicht-atmosphärischen Bedingungen zu bewerten.

Weitere Änderungen

Zusätzlich wurde die Gefährdungsbeurteilung der TRGS 721 noch um weitere Pflichten und Informationen ergänzt. So müssen Arbeitgebende jetzt etwa ein Explosionsschutzkonzept entwickeln und bestimmte Teile der Gefährdungsbeurteilung dokumentieren.